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„Die Zivilgesellschaft muss sicher stellen, dass Bildung ein öffentliches Gut bleibt“

Als Vereinigung von über 30 nationalen Nichtregierungsorganisationen gibt die Bildungskoalition NGO der nachhaltigen Entwicklung in der Bildungspolitik eine Stimme. Ueli Bernhard, scheidender Geschäftsführer, blickt auf mehr als ein halbes Jahrzehnt Bildungspolitik zurück.


Herr Bernhard, vor 6 Jahren haben Sie die Bildungskoalition NGO ins Leben gerufen. Was hat damals den Ausschlag gegeben für die Gründung?

Ueli Bernhard: „Vor der Gründung der Bildungskoalition NGO waren die meisten NGOs nur mit Angeboten wie Schulbesuchen präsent. Hingegen gab es keine Stimme, welche die Anliegen von Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Lernenden vereint und sie bei den wichtigsten Reformen der Bildungspolitik eingebracht hat. Bildung, Forschung und Innovation machen einen beträchtlichen Teil der öffentlichen Finanzen aus. Deshalb ist es wichtig, bei der Ausrichtung des Mitteleinsatzes ein besonderes Augenmerk auf die nachhaltige Entwicklung zu legen. “

Welches sind für Sie persönlich die grössten Erfolge der Bildungskoalition?

Das Besondere ist, dass wir es geschafft haben, in dieser Allianz von ganz unterschiedlichen Organisationen aus den Bereichen Umwelt, Kinder- und Menschenrechte, Gesundheit, globale Entwicklung und interkulturelle Zusammenarbeit eine gemeinsame Stimme zu finden. Alle ziehen am gleichen Strick. Nur so können wir den Anliegen der Kinder und Jugendlichen sowie der Zivilgesellschaft zum Durchbruch verhelfen. Wir haben die nachhaltige Entwicklung in allen wichtigen Bildungsgesetzen verankern können. Nun müssen wir darauf achten, dass die gesetzlichen Aufträge in der Bildungsadministration auch umgesetzt werden.

Mit welchen Mitteln und Instrumenten gelang es, auf dem politischen Parkett Einfluss zu nehmen?

Es gibt die klassischen Instrumente wie Vernehmlassungen bei Vorlagen des Bundesrates, Gesetzgebungsprozessen oder parlamentarischen Vorstössen. Bei diesen klassischen Interventionen haben wir eine Stimme, die gehört wird. Dann gibt es die eigentlichen Kampagnen, wie zum Beispiel die Mitwirkung beim Lehrplan 21, wo wir mit verschiedenen Akteuren wie den Wirtschaftsverbänden, dem Lehrerverband, dem Schulleiterverband oder den Gewerkschaften verhandelt haben. So ist es uns gelungen, die Bildung für eine nachhaltige Entwicklung im Lehrplan 21 stärker zu positionieren.

Gibt es Themen, die Ihrer Meinung nach bisher zu kurz kamen?

Aufgrund der knappen finanziellen Mittel gibt es immer Schwachstellen. Ich denke an den Bildungsabbau von Sparprogrammen bei Bund und Kantone und die Rolle der „Lückenfüller“ privater Investoren und deren Einfluss auf Lehre und Forschung von Hochschulen. Das sind Herausforderungen, die nicht gelöst sind. Die Zivilgesellschaft muss sicherstellen, dass Bildung ein öffentliches Gut bleibt. Was in Schulen gelebt und gelernt wird, muss von den Beteiligten mitgestaltet und gesteuert werden. Die Stärkung der politischen Bildung sowie der Medienkompetenz müssen angesichts der globalen Radikalisierungen ganz oben auf der Bildungsagenda stehen. Das gilt sowohl für die Schulen wie für die Erwachsenenbildung.

Ab März 2017 übernimmt ein neues Team die Geschäftsstelle der Bildungskoalition NGO. Was möchten Sie Ihren Nachfolgern mit auf den Weg geben?

Es freut mich sehr, die aufgebaute Bildungskoalition in guter Verfassung weitergeben zu können. Ich bin überzeugt, dass die Bildungskoalition NGO mit dem Büro Ecopolitics einen kompetenten Nachfolger gewonnen hat, der sich in der politischen Mitwirkung sehr gut auskennt und ein breites Netz an Kontakten zu Parlamentarier/-innen und Akteuren in der nationalen Politik mitbringt. Ich wünsche der Bildungskoalition NGO soviel Erfolg wie nur möglich.

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