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Sustainable Universities für alle: Erfolgsgeschichte fortsetzen

16 März 2015

Das erfolgreiche Programm der Universitäten „Sustainable Universities“ soll ab 2017 voraussichtlich gestoppt werden. Im gemeinsamen Mandat der Schweizerischen Hochschulkonferenz (ehemals SUK) und dem Fachhochschulrat an die Rektorenkonferenzen der Hochschulen ist die Förderung der nachhaltigen Entwicklung kein prioritäres Vorgabekriterium. Ganz anderer Meinung ist die Bildungskoalition NGO, ein Zusammenschluss von 32 Nicht-Regierungsorganisationen aus Jugend, Umwelt, Entwicklung, Menschenrechte und Gesundheit. Das Programm soll ausgebaut und von Universitäten auf Fachhochschulen und pädagogische Hochschulen ausgeweitet werden.

Den Verwendungszweck der projektgebundenen Beiträge für die Hochschulen hat der Gesetzgeber klar vorgegeben. Art. 59 des Hochschulförderungs- und Koordinationsgesetzes HFKG will die Projektförderung für Aufgaben von „gesamtschweizerischer hochschulpolitischer Bedeutung“ reservieren, insbesondere wenn sie die „Bildung von Kompetenzzentren von nationaler oder regionaler Bedeutung“, die „Profilbildung und die Aufgabenteilung unter den Hochschulen“, die „Förderung der Chancengleichheit“, die „Förderung der nachhaltigen Entwicklung“ und die „Förderung der Mitwirkung der Studierenden“ zum Gegenstand haben.„Eine Stilllegung des Programms Sustainable Universities wäre eine Missachtung des gesetzlichen Auftrags. Der Verwendungszweck der SHK[1] widerspiegelt nicht den Verwendungszweck des Gesetzes“, sagt Ueli Bernhard, Geschäftsführer der Bildungskoalition NGO.

 

Erfolg von Sustainable Universities
Das bisherige Förderprogramm 2012-2016 wurde von td-net, einem transdiziplinären Netzwerk der Akademien der Wissenschaften Schweiz, geleitet. 71 Projekte wurden eingereicht, 28 Projekte umgesetzt. Die Sustainable University Days an verschiedenen Universitäten haben die Bedeutung der Verantwortung der Hochschulen als „Inkubatoren“ für eine nachhaltige Entwicklung in der Hochschulverwaltung, bei den Instituten, Dozentinnen und Dozenten und den Studierenden verstärkt. Das td-net ist auf der Liste der berechtigten Institutionen für Projekteingaben jedoch gar nicht vorgesehen. Damit bleibt wertvolles Aufbau- und Erfahrungswissen aus den letzten vier Jahren für die weitere Zukunft ungenutzt. Vernetzte und interdisziplinäre Programme unter Beteiligung der verschiedenen Hochschultypen schaffen einen hohen Mehrwert im Austausch und fördern den gegenseitigen Wettbewerb nachhaltiger Innovationen.

 

Globales Aktionsprogramm Bildung für eine nachhaltige Entwicklung in den Hochschulen
umsetzen
Im November 2014 wurde im japanischen Nagoya das Weltaktionsprogramm „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ unter Beteiligung einer offiziellen Schweizer Delegation beschlossen. Dabei wurden die Unterstützung durch ein förderliches Politikumfeld und die Stärkung der Nachhaltigkeit in der Hochschulverwaltung ausdrücklich als prioritäre Massnahmen für die einzelnen Länder betont. Die Schweizer Hochschulen sollen nach neuem Hochschulförderungsgesetz die Nachhaltigkeit, Chancengleichheit und Partizipation in die Akkreditierung von Hochschulen integrieren, die Hochschulbauten mit hohen Standards erneuern und die Forschungsgelder gemäss Forschungsgesetz mit einer Nachhaltigkeitsprüfung begutachten. Damit diese Vorgaben nicht toter Buchstabe bleiben, ist dieses Programm für die Umsetzung und für eine gelebte Hochschulpraxis dringend nötig.

In der Schweiz prüfen SBFI und SHK, die „Sustainable Universities“ aus der BFI-Botschaft 2017-2020 zu streichen, und die EDK möchte den Massnahmenplan Bildung für nachhaltige Entwicklung 2007-2014 nicht erneuern. Eine Abwertung der beiden Programme ist für die Bildungskoalition NGO nicht nachvollziehbar.

 

Sustainable Universities für alle 2017-2020

Das SBFI hat mit der neuen Gesetzgebung im Hochschul- und Forschungsbereich Vollzugsaufgaben in der Umsetzung einer nachhaltigen Hochschul- und Forschungslandschaft erhalten. Ausgerechnet jetzt das Programm der Sustainable Universities für die Jahre 2017-2020 zu kippen, steht im Kontrast zu allen internationalen Entwicklungen. Die Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen in der Schweiz sind bisher noch gar nicht in den Genuss dieser Projektförderung gekommen. Das wäre auch ein Konflikt in der gleichwertigen Behandlung der Hochschulakteure. Die Bildungskoalition NGO appelliert deshalb an die Schweizerische Hochschulkonferenz SHK, an die Swiss Universities und an das SBFI, das Programm in Zukunft auf alle Hochschulträger (Universitäten, Fachhochschulen und PH) auszuweiten, mit anderen Projekten der Chancengleichheit, der Profilbildung und der Förderung von Kompetenzzentren interdisziplinär zu vernetzen und das Innovationspotential der Studierenden dabei wesentlich stärker zu nutzen.[2]


Eine Weiterentwicklung des Programms „Sustainable Universities“ ist nach Meinung der NGOs in der Zielorientierung gleichwertig auf die ökologisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltige Dimensionen auszurichten. Menschenrechts- und interkulturelle Kompetenzen der Hochschulangehörigen sind für eine nachhaltige Hochschulentwicklung ebenso nutzbringend wie nachhaltige Wirtschafts- oder Umweltwissenschaften. Der finanzielle Gesamtrahmen für diesen Bereich soll mindestens 150 Mio. Fr. betragen. Die Schweiz kann mit diesem Programm jene Verluste etwas kompensieren, die durch die Aufkündigung der Vollassoziierung im 3. Pfeiler des EU Forschungsprogramms Horizon 2020 (Societal Challenges)[3] verloren gingen.



[1] Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren EDK und Schweizerische Universitätskonferenz SUK, Projektgebundene Beiträge 2017-2020, 30.1.2014, Vorgaben von SUK und FH-Rat.

[2] Bildungskoalition NGO: Zukunfts-Agenda SBFI, Empfehlungen der Zivilgesellschaft zur Botschaft über die Bildung, Forschung und Innovation BFI 2017-2020, Leitlinie 3.1.

[3] Euresearch: Horizon 2020, Switzerland’s participation 2014-2016.

 

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